Inhalte der Ausbildung

Asanakunde, freie Atemschule und Pranayama, Meditation und Seelenübungen

Asanakunde

Die asana, die Körperübungen des Hatha-Yoga, bilden den zentralen und künstlerischen Mittelpunkt im Berufsfeld des Yogalehrers. Dabei lernen wir die asana in einem ganz neuen und erweiterten Sinnzusammenhang kennen und verstehen. Wir ergründen ihre inneliegende Dimension, entwickeln tiefere Empfindungen, die dem Wesen der Übung entsprechen, und lernen schließlich auch, wie wir die asana auf authentische und integrative Weise im Yogaunterricht anleiten und vermitteln können. Es ist die wunderbare Möglichkeit dieses Yoga, dass der Praktizierende lernt, wie die Auseinandersetzung mit der Übung zu einem künstlerischen und schöpferischen Prozess werden kann, der wiederum für einen selbst wie auch für das Umfeld zu einem belebenden Aufbau führt und neue Entwicklungsräume eröffnen kann. Das Praktizieren wird ausgehend von erweiterten Gedanken und Inhalten zu einem den ganzen Menschen durchgestaltenden Lern- und Übungsfeld.

Des Weiteren bilden die cakra – die Energiezentren – ein wesentliches Element der inhaltlichen und praktischen Auseinandersetzung. Diese lernen wir in ihren verschiedenen Bezügen und kosmischen Empfindungsqualitäten, lebendig zu durchdringen und in der asana-Praxis aktiv einzubeziehen. Schließlich beschäftigen wir uns auch mit der wichtigen Frage, wie sich der inneliegende Lernschritt einer Yogaübung auf praktische Weise im täglichen und sozialen Leben integrieren lässt.

Die Ausbildung umfasst ein intensives Studium der Grundstellungen des Yoga. Die Fachkunde beinhaltet dabei sowohl die praktische und technische Ausführung als auch die damit verbundene seelische Dimension der Übung. Ebenso wollen wir der Entwicklung geeigneter pädagogischer Fähigkeiten zur Übungsanleitung, Demonstration und zu weiterführenden Korrekturen einen großzügigen Raum gewähren.

 

„Die Bewegung selbst ist die höchste aller Künste und
sie ist die Musik der schaffenden, zur Vollkommenheit
drängenden Wirklichkeit.“ (Heinz Grill)

 

Der Gedanke der fortgeschrittenen asana und die ansteigende Bewusstseinsdimension

die Taube – kapotasana

Neben den Grundstellungen werden auch fortgeschrittene asana immer wieder ein praktisches und ästhetisches Übungsfeld darstellen. In der Ausführung von schwierigen und anspruchsvollen Stellungen wie der Taube, dem Diamanten oder auch dem Tänzer spielt weniger eine übermäßige Gelenkigkeit des Einzelnen die entscheidende Rolle, sondern vielmehr die Fähigkeit, jene Form- und Gestaltungskraft aufzubringen, aus der heraus sich die Stellung auf künstlerische Weise plastiziert. Tatsächlich stellen die fortgeschrittenen asana einen höheren Anspruch an das Bewusstsein, dieses auch während der Ausführung in Übersicht und lenkender Bewusstheit aufrechtzuerhalten. Einen lebendigen Eindruck von dieser hohen Anforderung an das Bewusstsein vermittelt beispielsweise dieses Video zum Tänzer (natarajasana) oder dieses Video zur vollständigen Heuschrecke (purna shalabhasana).

Wenn auch das Erarbeiten von fortgeschrittenen Yogaübungen durchaus von einem freudigen Ehrgeiz begleitet sein darf, so knüpft doch das gemeinsame Praktizieren an den Möglichkeiten des Einzelnen an und möchte diese auf zwanglose Weise fördern.

Themen in diesem Fachgebiet:

  • Praktische Asanakunde
  • Enstpannungs- und Körperwahrnehmungsübungen
  • Studium der Imaginationen, der seelisch-geistigen Sinnbilder der asana
  • Die sieben cakra oder Energiezentren
  • Seelische Empfindungsentwicklung zu den cakra und asana
  • Künstlerische Ausgestaltung der Übungen, die ästhetische Bewegungskunst
  • Anleitung, flexibles Umgehen mit Anfängern und Fortgeschrittenen
  • Hinführende und unterstützende Übungen und Variationen
  • Weiterführende Korrekturen (verbal, manuell, Demonstration, Gesten)
  • Soziabilität, die Sinnübertragung der Übung auf das Leben, die Charakterbildung
  • Fortgeschrittene asana
  • Indikationen und Kontraindikationen

 

 

 Freie Atemschule und Pranayama

„Nicht wir oder die Lunge bringen den Atem hervor,
der Atem bewegt uns und bewegt unser Seelenleben.“ (Heinz Grill)

Wir beschäftigen uns mit den vielen ästhetischen, künstlerischen und manchmal auch fortgeschrittenen Stellungen des Yoga und berühren somit jedes Mal auf besondere Weise das wichtige und weite Feld des Atems. Ähnlich wie bei der asana selbst, liegt auch dem Atem eine feinere seelisch-geistige Dimension zugrunde. Dabei lernen wir, den Atem in seinen unterschiedlichen Qualitäten zu empfinden und zu beobachten, wie er inniglich mit den Kräften unserer Seele in Beziehung steht. Indem der Yogaübende sein Bewusstsein in der asana wie auch im täglichen Leben mit einer neuen Aufmerksamkeit und inhaltlichen Bewusstheit erweitert, erfährt er den Atem sogleich in einem natürlichen und freieren Rhythmus. In der Ausbildung werden wir uns auch mit pranayama, der klassischen Atemführung des Yoga, auseinandersetzen, um zu begreifen, wie diese auf den Menschen in seiner Ganzheit wirkt. Das Verständnis zum Atem und seiner inneliegenden Bedeutung stellt einen wichtigen Lern- und Erfahrungsschritt für den Yogaübenden dar.

Weitere Unterthemen:

  • Erleben des Atems in der asana-Praxis
  • Die vier Dimensionen des Atems und Lernschritte für das soziale Leben
  • Der Begriff des prana, Unterscheidung verschiedener Energien

 

Lago di Cavedine

 

Meditation und Seelenübungen

Die Entwicklung einer zielgerichteten Aufmerksamkeits- und Konzentrationskraft bildet für den Fortschritt im Yoga eine wesentliche Notwendigkeit. In diesem hier vermittelten Meditationsverständnis lernen wir, die Kräfte unserer Seele auf klare und gegliederte Weise zu einem konkreten Inhalt auszurichten und uns mit diesem Inhalt tiefer in Beziehung zu bringen. Wir bewahren fortwährend einen eigenen, wachen und überschauenden Standpunkt und erleben uns im bewussten und forschenden Gegenübertreten zu dem gewählten Betrachtungsinhalt. Weiterhin sollen konkrete Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sich die Meditation auf natürliche Weise in den Alltag und in das soziale Leben integrieren lässt. Die Kenntnis über weitere Meditationstechniken (Zen, Vipassana, buddhistische Meditation, u.a.), deren Motive und Wirkungsweisen sollte darüber hinaus die Fachkunde des Yogalehrers ergänzen.

Themen in diesem Fachgebiet:

  • Konzentration (dharana) u. Meditation (dhyana) und ihre Unterscheidung
  • Der gegliederte Aufbau einer Seelenübung
  • Meditation im Alltag
  • Grundkenntnisse verschiedener Meditationspraktiken

 

 Pädagogik und Unterrichtsgestaltung

Die Tätigkeit des Yogalehrers ist unter anderem auch ganz besonders eine pädagogische Arbeit, d.h. sie beinhaltet einen verantwortungsvollen Umgang mit Menschen. Gleichermaßen tragen wir aber auch eine Verantwortung gegenüber den esoterischen Inhalten und Imaginationen, mit denen wir exoterisch, d.h. beschreibend und vermittelnd, umgehen lernen. Der Unterrichtende kann sich nun in der Kunst üben, wie er auf geeignete und freilassende Weise einen Gedanken, einen Inhalt oder ein Thema in die Stunde hineinführt. Der Yogalehrende kann auf freiheitliche Weise Mensch und Inhalt miteinander verbinden. Er kreiert durch seine Art und Weise der Unterrichtsgestaltung eine erbauende und harmonische Gesamtatmosphäre, die dem Teilnehmer einen freien Raum gewährt und gleichzeitig neue Möglichkeiten der Entwicklung eröffnen kann. Im Gesamten sollte die Fähigkeit, mit Menschen verbindend und heilsam umzugehen, ein Ideal des Yogalehrers beschreiben. Somit kann das Unterrichten zu einer wirklichen Kunst und Gabe für andere gedeihen.

Themen in diesen Einheiten:

  • Esoterik und Exoterik
  • Didaktik & Methodik (flexibler Umgang mit unterschiedlichen Voraussetzungen im Unterricht, rhythmischer Aufbau von Themen und Lehrinhalten)
  • Unterrichtsgestaltung und Themenaufbau: Übungsreihen- und Themenauswahl im Unterricht, Planung und Analyse von Stunden und Kursen
  • Entwicklung einer pädagogischen Führungskraft
  • Kommunikation, Sprache und Gesprächsführung
  • Das Lehrer-Schüler-Verhältnis
  • Persönlichkeitsentwicklung, Lebensjahrsiebte und Biografie

 

 


 

 Medizinische und psychologische Grundlagen und Menschenkunde

Wir sollten als Yogalehrer mit den verschiedenen körperlichen Einschränkungen und psychischen Ängsten, die uns im Unterricht begegnen können, fachlich fundiert, sicher und auch frei umgehen können. Deshalb erarbeiten wir in der Ausbildung ein solides Grundverständnis für die wesentlichen anatomischen, physiologischen und pathologischen Zusammenhänge, sodass eventuelle körperliche Risiken bei den einzelnen asana verantwortlich eingeschätzt werden können.

Ganz wesentlich ist aber auch ein gutes Verständnis des inneren, imaginativen Bildes einer asana, da es neue und heilsame Bewegungsansätze in der körperlichen Ausführung eröffnet. Wenn wir den Bewegungsansatz einer Übung und die Anatomie des Körpers aus einer imaginativen Sicht heraus verstehen lernen, können wir die Übungen im Unterricht auch entsprechend vereinfachen, ohne sie dabei in ihren wesentlichen und heilsamen Empfindungseindrücken zu mindern. Einen freien, flexiblen und zugleich sicheren Umgang mit den Übungen und den möglichen Ängsten und Einschränkungen der Kursteilnehmer zu entwickeln, ist ein Ideal, das wir in dieser Ausbildung anstreben.

Darüber hinaus möchten wir ein grundlegendes Verständnis über Krankheit und Gesundheit aus spiritueller Sicht erarbeiten, da wir den Yoga mit seinem Entwicklungsgedanken als Grundlage für einen ganzheitlichen Heilansatz verstehen. Auch wenn wir als Yogalehrer nicht therapeutisch tätig sind, können wir im Unterricht heilsame und förderliche Impulse für viele weit verbreitete gesundheitliche Beschwerden setzen.

Themen in diesem Fachgebiet:

Grundkenntnisse in Anatomie, Physiologie, Pathologie in konventioneller und erweiterter Sicht:

  • Bewegungsapparat
  • Herz-Kreislauf-System
  • Atemsystem
  • Nervensystem
  • Verdauungssystem
  • Hormonsystem

Damit praktisch verbundenes Basiswissen wie z.B. Umgang mit:

  • Rückenproblemen / Wirbelsäulenleiden
  • hohem Blutdruck
  • Gelenkproblemen
  • Übergewicht / Untergewicht

Grundkenntnisse in Psychologie in konventioneller und erweiterter Sicht und damit praktisch verbundenes Basiswissen wie z.B. Umgang mit:

  • Stress
  • Erschöpfung und Nervosität
  • psychischen Leiden wie z.B. Ängsten / Depressionen
  • Aufbau von Lebenskräften

 

 Philosophie und Menschenkunde, Geschichte des Yoga, Quellentexte

Die Philosophie des Yoga eröffnet einen weiten Blick auf den Menschen und seine Entwicklungsmöglichkeiten und stellt ihn in einen großen kosmischen Zusammenhang. Heinz Grill erwähnt beispielsweise, wie der Mensch sich in der Zeit, als die Begriffe des Yoga in der altindischen Kulturepoche geprägt wurden, sich selbst in seiner Seele noch viel mehr in einer Einheit mit dem Kosmos erlebte, als es heutzutage der Fall ist. Die vielen Begriffe sind für uns heute kaum in ihrer wirklichen Bedeutung zu verstehen, da anscheinend unser Selbstgefühl vom Erleben des eigenen Körpers abhängig ist und sich viel mehr mit diesem identifiziert als in früheren Zeiten. Wir möchten uns deshalb in dieser Ausbildung darum bemühen, die verschiedenen Grundgedanken und Sanskritbegriffe des traditionellen Yoga neu denken zu lernen, sodass ihre spirituellen Aussagen in ein möglichst großes Verständnis rücken und mit der Zeit bis in das praktische Leben hinein finden.

Deshalb studieren wir neben den traditionellen Yogaschriften auch das Menschen- und Weltbild, das Rudolf Steiner in der Anthroposophie und in ähnlicher Weise Heinz Grill in den Imaginationen zum Neuen Yogawillen ausgeformt hat. Da sie diese Imaginationen für die Bewusstseinsverfassung des modernen Menschen formuliert haben, ist es leichter möglich, daraus konkrete Vorstellungen und brauchbare Übungsansätze für den Unterricht zu entwickeln, wobei ein tiefes Verstehen dieser Gedanken eine ebenso anspruchsvolle Aufgabe darstellt.

Das Studium des Menschenbildes und der Philosophie des Yoga ist nicht nur ein spannender, sondern auch ein wesentlicher Bereich für jeden Yogalehrer. Denn wenn wir den Menschen langsam als seelisch-geistiges Wesen denken lernen, dann werden wir ihn auch immer mehr auf seelenvolle Weise unterrichten und in seinen Entwicklungsmöglichkeiten fördern wollen.

Das westliche Menschenbild:

  • Das dreigliedrige Menschenbild: Körper, Seele und Geist
  • Das viergliedrige Menschenbild der Anthroposophie: Ich, Astralleib, Ätherleib, physischer Leib
  • Rudolf Steiner und die Anthroposophie: Die alte Yoga-Kultur und der neue Yoga-Willen (Vortrag von 1917)
  • Abendländische Mystik

Das indische Menschen- und Weltbild:

  • Sankhya-Philosophie (die drei guna), Vedanta-Philosophie, Tantrismus
  • Bhagavad Gita: der Selbstwerdeprozess, purusha und prakriti
  • Yoga-Sutren des Patanjali, Veden, Upanishaden
  • Sanskrit-Grundlagen: Bezeichnung der asana, philosophische Begriffe, Mantras
  • Der Integrale Yoga – Sri Aurobindo

Weitere Themen:

  • Geschichte des Yoga: Entwicklung des Yoga bis heute
  • Yoga-Persönlichkeiten, -Traditionen und -Stile

 


 

 Berufsorientierung

Themen in diesen Einheiten:

  • Berufsbild des Yogalehrers
  • Existenzgründung
  • fachlich- und sozialkompetente Gesprächsführung mit Interessenten und Personalleitern
  • Marketing

Allgemeine und organisatorische Informationen zur Ausbildung finden Sie unter Yogalehrerausbildung.